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Zu deinem Beitrag, native

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Posted from 79.195.233.215 by native on January 06, 2022 at 10:29:04:

In Reply to: Zu deinem Beitrag, native posted by Ricky on January 05, 2022 at 23:10:22:

Hallo Ricky,

das, was du schreibst, klingt nach sehr harter Schule! Beruflichen Misserfolg nicht als persönliches Versagen zu sehen ist wahrscheinlich ein nobles Ziel, aber allein bei uns Deutschen ist die ARBEIT ja kulturell so tief verankert, das kriegt man ja sehr schwer nur raus *gg* Ich freue mich für dich, dass du einen Job hast, den du gut bewältigen kannst und von dem du gut leben kannst; das ist wirklich viel wert! Und das hat tatsächlich nicht jeder!

Ich fühle grade sehr mit dir, Ricky, was deine Schilderungen über die Mitstudenten usw. angeht. Mitschüler von mir sind jetzt in der Industrie erfolgreich, angehende Mediziner oder sonstwas und mir schmeißt mein Guide immer wieder Stöcke zwischen die Beine, wenn ich verusche, was in die Hand zu nehmen, und lässt mich in einem Beruf versauen, der mir keinen Spaß macht und mich überfordert *grr*

Ich kenne dieses elendige Vergleichen auch zu gut. Letzten Endes weiß ja aber auch keiner, was deren Plan noch vorsieht (schwere Krankheit, Ruin). Wir verwechseln vielleicht Erfolg mit Glück, weil er uns selbst sehr wichtig ist, aber im Reinen mit sich selbst sind ‚die Erfolgreichen‘ vielleicht auch nicht so..?

Peter schreibt ja immer, Härte bildet den Charakter. Ich habe durch einen Nebenjob einen schwer psychisch kranken Mann kennengelernt, der seit 30 Jahren in einem 12qm-Zimmer in einer WG im betreuten Wohnen lebte. Aus seinen Erzählungen habe ich immer wieder rausgehört, dass er mit bestimmten Dingen sehr haderte, eben v.a. damit, dass er durch die Erkrankung kein normales‘ ‚erfolgreiches‘ Leben führen konnte wie die anderen, und dass er im Leben gescheitert ist. Ihm fiel es schwer, einfache lebenspraktische Dinge wie Wäscheaufhängen und Zugfahren hinzukriegen, gleichzeitig war er hochintelligent und hochkreativ und hatte z.T. revolutionäre Ideen im Bereich Industrie, auf die er Patent anmeldete. Er meinte dann mal zu mir, eigentlich wäre er aber schon ganz glücklich, er könne sich die Currywurst in der Würstelbude leisten, hätte ein gutes Unterstützungsnetz und könne sich kreativ austoben - und das reiche ihm, mehr brauche er eigentlich nicht.

Ich fand das doch eine sehr erfrischende Bilanz =)

Liebe Grüße, native

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